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Ein Kaminstück von Gerard van Kuyl (1604-1673), Hirte und Hirtin in Landschaft

Ein Kaminstück von Gerard van Kuyl (1604-1673), Hirte und Hirtin in Landschaft

dinsdag 30 sep 2008

Ende 2007 wurde bei Versteigerungshaus Mak in Dordrecht ein bis dahin völlig unbekanntes Gemälde eines Hirtenpaares besonders hoher Qualität zum Verkauf angeboten. Es stammte aus einem Landhaus in der Nähe von Utrecht, wo es seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts einen der Kamine geschmückt hatte. Die Überraschung war gross, weil hier handelte es sich um eine bedeutende kunsthistorische Entdeckung. Nicht jeden Tag kommt ein solches aussergewöhnlich schönes Kaminstück aus der Zeit um 1640 am Markt, und dann auch noch in der Originalfassung.

Meine Aufgabe bestand daraus zu untersuchen welcher Maler für dieses Bild verantwortlich gewesen war und die Konklusionen in einem verständlichen und gut lesbaren Text fest zu legen.

Um die Frage nach dem möglichen Künstler beantworten zu können, musste das Gemälde zuerst sorgfältig angeschaut werden: Was sehen wir eigentlich und welche Bedeutung hat diese Szene wobei ein verliebtes Hirtenpaar mit Blumen und Flöte versucht das Verlangen auf zu wecken.



Hirtenpaare so wie dieses kommen in der Literatur häufig vor. Sie stammen aus der 'Eclogae' von Virgil, wo die Schicksalsschläge von den Hirten Cloridon und Silvia besungen wurden. Dieser Hirtengesang wurde durch Karel van Mander 1597 in die holländische Sprache übersetzt und herausgegeben; eine Publikation, die vom Anfang an eine grosse Popularität genoss und der Beginn der pastoralen 'hype' in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts formt. Wahrend dieser 'hype' erblickten einen unzählbaren Strom von pastorale Liederbücher das Licht. Diese mussten als Unterhaltung für kalte Winterabende und schwüle Sommerabende im Freien gedient haben. In Folge von Virgil taucht das Hirtenpaar Cloridon und Silvia vielfältig auf. Es erzählt von dem einfachen Hirten Cloridon, der mit seiner wunderbaren Stimme seine Geliebte Silvia zu bezaubern weiss: 'Ghy Cloridon met U gedight/betovert d'herdedrinnen/Ghy Silvia met U ghesicht/betovert d'Herders sinnen..'(Du Cloridon bezauberst mit Deinem Gedicht die Hirtinnen/ Du Silvia bezauberst mit Deinem Antlitz der Hirten Sinne..)



Es lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, ob der Maler dieses Kaminstückes Sich auf diese Texte beruft hat. Jedoch waren die pastorale Liederbücher besonders im Provinz Utrecht beliebt. Es waren auch gerade die Utrechter Maler Paulus Moreelse und Abraham Bloemaert gewesen die um 1620 die Themen in der Malerei introduziert hatten. Sie malten in dieser Zeit die bekannte halbfigürlicher Hirten und Hirtinnen, oft als  Pendants.
 
Das Dordrechter Gemälde stammt durch die Thematik durchaus aus dieser Utrechter Tradition. Allerdings nimmt das Gemälde durch die Komposition mit zwei Figuren einen abweichende Stelle innerhalb die Utrechter Malerschule ein. Es muss sich also um einen 'Aussenstehende'  handeln.

Dass war auch die Auffassung von Prof. Dr. Bert Meijer, Direktor des Interuniversitair Kunsthistorischen Institutes in Florenz. Er schrieb es zu an dem Maler aus Gorinchem Gerard van Kuyl (1604-1673) und verglich es mit Kuyl's musizierende Gesellschaften.

Die Zuschreibung an Van Kuyl wird inzwischen breit unterstützt, nicht nur wegen die stilistische Qualität, doch auch weil Van Kuyl aus einer Patrizierfamilie stammte. Dadurch hat er meistens seine Aufträge aus Utrechter Adelskreise erhalten. In diesen adlichen Hauser bevorzugte Man leichtfüssige, arkadischen Szenen mit Hirten, voll Gesang, Tanz und Liebe. Damit sollte das goldenen Zeitalter als eine Wiederholung des 'Aetas Aurea' der Klassiker vorgestellt werden.









 


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