Bericht vom Markt

Antoine Watteau und Frans Hals: Sensationen in einer weiterhin stabilen Alte Meister Markt

Antoine Watteau und Frans Hals: Sensationen in einer weiterhin stabilen Alte Meister Markt

dinsdag 30 sep 2008

Das Zauberwort im Markt Alter Meister ist 'die Entdeckung': das Gemälde, das aus dem Nichts plötzlich auf dem Markt angeboten wird und das die Käufer durch seinen Überraschungseffekt verführt.

Sowohl der Watteau bei Christie's als auch der Frans Hals bei Sotheby's erfüllten die Kriterien dieses Begriffes. Das Gemälde von Watteau, welches aus Dokumenten bekannt war, tauchte auf einmal nach 200 Jahren auf und ebenso der Frans Hals, der bis vor Kurzem als eine Kopie des Gemäldes im Königlichen Museum in Brüssel galt.

Vor allem die 'Entdeckung' des Frans Hals verdient Beachtung, denn das Gemälde war keinesfalls unbekannt. Schon 2004 wurde das Bild in Wien - im Katalog als ein Werk des Ateliers Frans Hals - versteigert und brachte dort einen Preis von 521.000 Euro. Jetzt, vier Jahren später erbringt das selbe Bild 6.300.000 Pfund. Man fragt sich, wie ist das möglich?

Das Unterschied liegt in diesen einem Wort 'Entdeckung', weil es ging hier nicht um eine Version; nein, es ging hier um das Original, das erste und einzige durch Frans Hals in den dreissiger Jahren gemalt. Und wieder tut Sich hier die Tatsache vor dass nicht das Gemälde in dem anerkannten Museum das Prototype ist, sondern das, das schon seit Jahren als Kopie angemerkt wurde, weil es in Privatbesitz war unter dem Motto: was im Museum hängt ist immer besser als was auf dem freien Markt zu bekommen ist. Eine sehr verführerische doch veräterlichen Gedanken.

Und was geschah genau? Auf der Versteigerung in Wien wurde das Gemälde von Herrn X gekauft. Dieser Herr X muß sehr gute Augen gehabt haben oder - und mehr wahrscheinlich - hatte er seine Schulaufgaben sehr genau gemacht. Weil schon in 1988 hatte Norbert Middelkoop, Konservator des Amsterdammer Historischen Museums, in einer Publikation 'Frans Hals: Leben, Arbeit und Restauration', aufgemerkt daß es hier vielleicht um das Original handeln könnte.

Herr X brachte seinen Ankauf nach Restaurator Martin Bijl hier in der Niederlande. Er recherchierte das Gemälde auf seinen besonderen und persönlichen Art in jeden Detail und beteiligte dabei auch Pieter Biesboer, Kurator vom Frans Hals Museum in Haarlem und ausgezeichneter Frans Hals Kenner. Zuerst wurden dabei die beiden Bilder (Brüssel und vom Herrn X) dendrochronologisch geprüft. Diese dendrochronologische Recherchen alleine brachte schon ein verblüffendes Resultat. Es stellte Sich nämlich heraus dass das Gemälde vom Herrn X auf eine zwanzig Jahren ältere Platte gemalt war als das Brüsseler Bild. Dieses letztes stammte aus um 1650, während das Gemälde vom Herrn X in den dreissiger Jahren gemalt war.

Willem Heythuysen trägt tatsächlich im Gemälde ein Kostüm, das in den driessiger Jahren Mode war, doch zwanzig Jahren später nicht mehr. Doch weil er am Ende seines Lebens – um 1650 - in Haarlem einen kleinen Innenhof errichtete, hat er vermutlich bei Hals um dieser Zeit eine 2. Version bestellt. Dieses Gemälde wird im Inventar des Innenhofes sogar beschrieben.

Die Auskünften der Recherchen wurden im Ausstellungskatalog 'Holländer im Bild: Portraits aus dem Goldenen Zeitalter' (2007/2008, Mauritshuis) veröffentlicht. Damit war die Entdeckung eine Tatsache geworden.

Die Geschichte der Watteau-Entdeckung (Verkaufserlös 11 Mio. Pfund) ist von einer ganz anderer Bedeutung. Von einer Entdeckung kann man hier eigentlich nicht sprechen; eher von eine Wiederentdeckung, denn das Gemälde war immerhin schon bekannt, nur war es 200 Jahre lang verschollen. Völlig aus dem Nichts tauchte es im Frühjahr auf. Wie dieses geschah, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich hat jemand es in einer Plastiktüte zur Taxierung nach Christie’s gebracht.



Aug' in Aug' mit einem solchen als verloren geltendes Meisterwerk zu stehen, ist eine Sensation. Dass kann ich Ihnen versichern. Derjenige, der dieses bei Christie's erleben dürfte ist ein glücklicher Mensch. Er wird es nie wieder vergessen. Es gehört zu die wichtige Ereignisse dieses Jahres, vergleichbar mit der Wiederentdeckung von Ruben's 'Kindermord zu Bethlehem' in 2002.

Warum ist dieser Watteau ein Meisterwerk? Zuerst und vor allem durch die wunderbare Komposition mit dem Musikanten rechts und dem sich beinahe wie Derwische drehenden verliebten Paar links. Ihre Drehung und die Haltung des Musikanten sowie die virtuose Art und Weise der Malerei verführen uns als Betrachter sofort. Man fühlt sich beim Anschauen dieses Gemäldes beinahe selbst 'high'.
Und das ist genau das, was Watteau mit seinen galanten Spielen im Sinn hatte. Dabei hat er sich vor allem von Rubens inspirieren lassen; von Bildern wie der 'Garten der Liebe' (Prado) und von 'Kirmes' (Louvre), wo ähnliche bewegliche Gruppen zu sehen sind.




 


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